Menü

Schillers Räuberinnen

Damen schlüpfen in Männerrobe

Kurs „Theater und Film" der Q11 und Q12 am Karl-von-Closen-Gymnasium inszeniert „Schillers Räuberinnen", eine modernisierte Persiflage auf den Literaturklassiker

Unter der Leitung von StR Simon Schiller war für die insgesamt beinahe 40 Schüler(innen) der Q11 und Q12 des Kurses „Theater und Film" zu Beginn des Schuljahres 2013/2014 bereits relativ früh klar, dass es dieses Mal auch angesichts der Erfolge und Spielfreude der letzten beiden Jahre erneut zur Inszenierung einer Komödie kommen sollte. Die konkrete Stückauswahl für unsere diesjährige Aufführung verlief ebenfalls schneller als sonst, denn die Truppe stand letztlich vor einem Problem: Es mangelte an männlichem Personal. Um frühzeitige Unruhen zu vermeiden, musste ein Stück gefunden werden, das es zuließ, dass Frauen in Männerrollen schlüpfen, ohne dass dies allzu absurd wirkt und die Spielfreude verloren geht. Passend zur Situation stieß man bei der Suche auf eine Komödie, die all diese Kriterien erfüllte, nämlich „Schillers Räuberinnen – eine Theaterprobe frei nach Schiller" von Isolde Lommatzsch. Da letztlich auch noch der darin auf die Schippe genommene Literaturklassiker „Die Räuber" von Friedrich Schiller die Anspielung zum Kursleiter nahelegte, waren alle Mitwirkenden in kurzer Zeit begeistert von dem Stück und die ersten Probenversuche zu der inhaltlich etwas verzwickten und textlastigen Persiflage konnten erfreulicherweise bereits im Oktober beginnen.

Es kam in der Folge zu nicht immer reibungslosen, kräftezehrenden, jedoch stets amüsanten Probenarbeiten, die entgegen dem Original aus der Zeit des Sturm und Drang zu keiner Rebellion führten, was großteils nur möglich war, da eine Kursteilnehmerin der Q11 (Anna Engels) sich stets und ohne zu zögern dafür bereit erklärte bei diversen Probenterminen für fehlende Stammkräfte einzuspringen und damit die Proben am Laufen hielt – vielen Dank, Anna!!!

„Die einzelnen Rollen waren relativ schnell besetzt, da sich viele KursteilnehmerInnen von Beginn an genau in der Rolle sahen, die ich ihnen auch zugewiesen hätte – ein nicht zu unterschätzender Motivationsfaktor für jede Inszenierung!", so der Kurs- und Spielleiter Simon Schiller.

In dem äußerst zeitintensiv erprobten und an zwei Abenden (2. und 3. Mai 2014) in der Aula des Gymnasiums letztlich inszenierten Bühnenstück geht es um ein Stadttheater, an dem Schillers „Die Räuber" von einer in jeder Hinsicht laienhaften Schauspieltruppe aufgeführt werden soll. Da es allerdings zu wenig männliche Schauspieler im Ensemble gibt, besetzt der Regisseur (als „Richy" bzw. „Der Alte" perfekt dargestellt von Benedikt Treml) alle männlichen Rollen mit Frauen, während im Gegenzug für die einzige weibliche Rolle ein Mann in Frauenkleider gesteckt wird (David Kühnel). Dies bleibt natürlich nicht ohne Folgen, die dem Regisseur zusammen mit diversen Pannen, Beziehungsproblemen, Intrigen und Machtspielen während der Probe zunehmend zusetzen. Schließlich kommt es im finalen Akt zur offenen Rebellion getreu dem Schillerschen Original.

Die angedeutete Problematik des Stückes und die durchaus große Herausforderung, gerade auch für einige Theater-Neulinge, bestand konkret in den beiden inhaltlichen Ebenen: Zum einen eben die Darstellung von textgetreuen Szenen bzw. teilweise fast kompletten Akten aus dem Original Schillers, zum Anderen die mitunter innerhalb eines Satzes oder Wortes wechselnde Rolle in die eigentliche Bühnenhandlung, nämlich die Theaterprobe zu eben jenem Original. Diese „Stück-im-Stück"-Methodik forderte sowohl die Zuschauer als auch im Speziellen die Schülerinnen und Schüler des Kurses, erlaubte es aber, dem Betrachter nicht nur den „Klassiker" der Weltliteratur näherzubringen, sondern gleichzeitig auch die typischen Pannen und Unabwägbarkeiten im Vorfeld einer geplanten Theaterinszenierung.

Eine nicht unbedingt zu erwartende Textkenntnis der Originaltragödie wurde im Laufe des Schauspiels analog zum Geschlechter-Mix durch eine stückimmanent vorhandene „Conferencierin" (sehr charmant verkörpert durch Jasmin List) kompensiert:

Zu Beginn der in weiten Teilen beibehaltenen „Klassiker"-Handlung stellt sich heraus, dass Karl (wortgewandt interpretiert von Katharina Grübl), der in Leipzig studierende Sohn des Grafen von Moor (routiniert und empathisch gespielt von Lisa Neidlinger) große Schulden hat und per Brief seinen Vater um dessen Hilfe bittet. Der zweite und jüngere Sohn Franz (ausdrucksstark dargestellt von Magdalena Härtter) versucht schon immer seinen älteren Bruder aus dem Weg zu räumen, um selbst irgendwann Graf zu werden, daher verfasst er ein Antwortschreiben, in dem der Erstgeborene vermeintlich verstoßen und vom Erbe enthoben wird. Doch das reicht Franz noch nicht, er beauftragt Hermann, einen Bastard von einem Edelmann (perfekt interpretiert von Franziska Fumy), dem Grafen vom Tod seines Geliebten Sohnes Karls zu berichten, woraufhin dieser in Ohnmacht fällt. In der Zwischenzeit wurde Karl zum Anführer einer Räuberbande (witzig und treffend dargestellt durch Anna-Lena Pickel, Maria Uttendorfer, Franziska Fumy, Mirijam Höfl, Anna-Lisa Forster und Stefanie Hofmann) und kommt öfter in Konflikt mit dem Gesetz bzw. auch mit dem machtgierigen Spiegelberg (sehr ausdrucksstark und wortgewaltig inszeniert von Johanna Fink), der selbst gerne Anführer wäre.

Franz lässt seinen tot geglaubten Vater lebendig in eine Gruft bringen. Indes beschließt Karl, der Sehnsucht nach seiner geliebten Amalia (empathisch dargestellt von David Kühnel) hat, wieder in seine Heimat zurückzukehren, wo er aufgrund seiner äußerlichen Veränderungen nicht unmittelbar wiedererkannt wird. Die Rückkehr des erstgeborenen Sohnes missfällt und er beauftragt daher Daniel (sehr dynamisch und „bajuwaristisch"-wortgewaltig gespielt durch Ursula Fischl), einen 70- jährigen Diener mit dem Mord an seinem Bruder... .
Dass ein derartiges Stück natürlich vom Männerüberschuss lebt und somit die eingangs angedeutete Idee des „Alten", nämlich ein „Geschlechter-Mix", konsequenterweise fehlschlagen musste, damit setzt sich die modernisierte Variante, also Ebene 2 der Bühnenhandlung auseinander:

Diese beschreibt, wie gesagt, eine Probe für das Theaterstück, bei der es allerdings mangels männlicher Darsteller zu geschlechterspezifischen und nicht immer glücklichen Umverteilungen der Rollen kommen musste. Natürlich bringt der konsequente Geschlechtertausch in der resultierenden Inszenierung „Die Räuberinnen" einige Probleme mit sich, die von typischen „Beziehungskisten" über zwangsweise Pannen des Theateralltags bis hin zu einer Rebellion der Frauen führen. Nicht fehlen durften natürlich bei dieser Art von Inszenierung die Leute im Hintergrund, also in und um die Schauspieler(innen), und so wurden neben den beiden Technikern (Marius Dorfner und Christopher Pelger) auch Stimmen aus dem „Off" integriert (Maximilian Kindermann und Ludwig Lohmer), die den Regisseur letztlich fast zum Verzweifeln trieben. Daran konnte auch die bezaubernde und in jeglicher Hinsicht unbedingt notwendige Souffleuse Gisela (Maria Uttendorfer) nichts ändern. Wer, wenn nicht mein sehr geschätzter und jedes Jahr und ohne Zögern stets „einsatz"bereiter Kollege StR Tobias Birchinger hätte die bei Theateraufführungen unabdingbare Rolle der – angepasst an den Geschlechter-Mix – Pressevertreterin besser darstellen können?
Es war alles in allem neben einer enormen Einsatz- und Leistungsbereitschaft gerade die Leichtigkeit des Spielens und die stets zu spürende Spielfreude der Jungschauspieler(innen), welche entscheidend zum Gelingen der beiden Theateraufführungen beigetragen haben. OStD Markus Enghofer betonte in seinen abschließenden Worten des Danks dabei einerseits den zeitlichen Aufwand der Proben, gerade auch vor den unmittelbar bevorstehenden Abiturprüfungen. Andererseits aber auch das Mitwirken zahlreicher anderer Mitglieder der Schulfamilie von der Bühnen- und Lichttechnik (Klaus Fischer, Konstantin Berger und Vinzenz Absalon aus der Q12 unter der Leitung von StD Fritz Schneider) über das Team der Sekretärinnen, Hausmeister Klaus Frank, dem Kostümverleih Johann Vogl bis hin zu den Reinigungskräften, die vor und nach den Aufführungen optimale Bedingungen auf und um die Bühne herum geschaffen haben, was alles zusammen zu einer Team-Leistung führte, die das Publikum an beiden Abenden deutlich spürte und mit lang anhaltendem Applaus jeweils gebührend würdigte.

Mein persönlicher Dank geht letztlich überdies noch an alle Kolleginnen und Kollegen, die in der Zeit der intensiven Vorbereitung anderweitige Aufgaben für mich übernommen und mir so den Rücken weitestgehend frei gehalten haben.

Last but not least aber sind es meine Schauspielerinnen, denen ich für das ganze Schuljahr der Vorbereitung, insbesondere die immer wieder ohne größere Einwände in Kauf genommenen Probenarbeit (ausschließlich in unterrichtsfreien Zeiten) danken möchte – es hat sehr viel Spaß gemacht und ich bin stolz auf euch!

Den Q12ern wünsche ich, dass sie die erworbene und ausgebaute Gabe des Schlüpfens in unterschiedliche Rollen auch in ihrem zukünftigen Leben das eine oder andere Mal anwenden können und hoffe auf ein Wiedersehen bei unseren nächsten Aufführungen – wir werden euch vermissen!

Zusammen mit den Q11ern freu ich mich schon sehr auf unser nächstes Projekt und wünsche letztlich allen erholsame und schöne Ferien!

Kurs- und Spielleiter StR Simon Schiller

Zuletzt aktualisiert am Freitag, 22. August 2014 11:21

Logo RfM

Aktivitäten

Menü

Werbung im Jahresbericht

Sie haben Interesse im nächsten Jahresbericht unserer Schule eine Werbeanzeige zu schalten?

Für weitere Informationen wenden Sie sich bitte an unser

Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

Adresse/ Kontakt

Ultimate Browsers SupportKarl-von-Closen-Gymnasium
Gerner Allee 1
84307 Eggenfelden
Tel.: (08721) 126200
Fax: (08721) 126228

Alle Kontaktdaten ...

Lage und Anfahrt

Anfahrt zum KvCEggenfelden ist über die B388 von Vilsbiburg bzw. Pfarrkirchen leicht zu erreichen.

Lesen Sie weiter ...

Go to top